Kite Festival in Brunei 2019

Anfangs 2019 konnte ich einige Drachenfeste in Asien besuchen. Nach Thailand und Malaysia war Brunei an der Reihe. Dieser kleine Staat auf der Insel Borneo hat etwa die Grösse des Kantons Bern, jedoch nur ca. 440‘000 Einwohner. An seiner Spitze steht seit über 50 Jahren Sultan Hassanal Bolkiah, der dank des Ölvorkommens in Brunei einer der reichsten Männer der Welt ist.

 

Schon im Vorfeld des Drachenfestes konnten wir erahnen, dass der Besuch des Sultans am Drachenfest für die Organisatoren der Höhepunkt darstellt. Dies bestätigte sich dann, als wir nach einer langen Busfahrt in Brunei eintrafen. An der Information am ersten Abend erwarteten die Drachenflieger aus rund 30 Länder eigentlich Angaben zum gesamten Programm, verteilt über 5 Tage. Die Organisatoren sahen das etwas anders und begannen gleich mit dem Sonntagmorgen. Als die Information dann zu Ende war und das Nachtessen begann, wussten wir etwas mehr zum Besuch des Sultans, aber das war’s dann auch. Ein Stück weit kann ich das nachvollziehen – wenn die Königin von England zu uns an’s Drachenfest in Schöfflisdorf kommt, wäre dies auch etwas Besonderes.

 

Das Gelände des Drachenfests war in der Hauptstadt schön an einem Fluss vor einer grossen Moschee gelegen. Am Morgen hatten wir es jeweils recht gemütlich – es wehte kein Wind. Nicht so die Arbeiter, die die Infrastruktur für den Besuch am Sonntagmorgen aufstellten. Eine überdachte Bühne, verschiedene Zelte, Gehwege, eine grosse Leinwand und viele Fahnenmasten mussten hergerichtet werden. Dazu alles schön mit Teppich belegen und mit Blumen dekorieren. Ich hatte nicht den Eindruck, die Arbeiter seinen Unglücklich, fragte mich aber wiederholt, ob der grosse Aufwand gerechtfertigt sei. Wirklich beurteilen kann ich das nicht, da nicht in einem Königreich aufgewachsen und mit anderen Werten gross geworden.

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Im Anschluss an die morgendliche Flaute wehte ein konstanter Wind, der die ganze Palette an unterschiedlichen Drachen zum Fliegen brachte. Seien es die grossen Stablosen, lange Ketten, filigrane lokale Drachen oder wendige 4-Leiner – für alle hatte es genügend Wind und auch Platz. Einzig besagte Vorbereitungen für den Sonntags-Besuch störten zwischendurch mal das gemütliche Fliegen. Ein wirkliches Problem stellte dies aber nicht dar.

 

Nach der Probe am Samstag galt es am Sonntag dann ernst. Die Ersten trafen um 6 Uhr auf dem Gelände ein, um die Stände zu dekorieren oder dem Staats-Fernsehen für die Direktübertragung zur Verfügung zu stehen. Letzte Anweisungen wurden gegeben, im Sanitäts-Zelt noch ein 2. Bett aufgebaut und die eine Flagge, die auf dem Kopf aufgehängt wurde, umgedreht. Pünktlich um 9 Uhr war alles bereit und wie so üblich – kein Wind. Der Sultan fuhr dennoch mit seinem Konvoi vor und die Zeremonie begann. Festlich Ansprachen (nehme ich an – hab’s nicht verstanden), Marschmusik, ein Gebet und aufsteigende Ballone – der erste Teil lief wie am Schnürchen. Wir versuchten etwas im Hintergrund ein paar Leichtwind-Drachen in der Luft zu halten, so dass der Anlass selber, das Drachenfest, nicht ganz in Vergessen geriet.

 

Der Sultan mit seiner Gefolgschaft machte sich anschliessend auf den Weg, um jede Delegation persönlich zu begrüssen und ein Andenken zu überreichen. Selbiges mit den Sponsoren des Anlasses und den Organisatoren. Im Anschluss besichtigte er das ganze Gelände, liess sich von den Drachenfliegern über dies und jenes informieren und wechselte ein paar Worte. Auch die ausgestellten Drachen an den Ständen wurden begutachtet und zu guter Letzt die anwesenden Verpflegungs-Stände besucht. Zu meinem Erstaunen verhielt sich der Sultan sehr volksnah. Jeder konnte seine Hand schütteln / küssen oder sich mit ihm fotografieren. Klar waren Sicherheits-Leute anwesend, die verhielten sich aber diskret im Hintergrund. Für ein Staatsoberhaupt hätte ich dies nicht so erwartet und bin angenehm überrascht.

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Als gegen 11 Uhr sich der Sultan wieder in seinen Geländewagen setzte und zum nächsten Anlass fuhr (ein Polo-Turnier stand noch auf der Agenda), war förmlich zu hören, wie den Verantwortlichen die Steine von den Herzen flogen. Sichtlich erfreut über den pannenfreien Besuch zeigten sie sich einiges gelassener und begannen nun auch, ihre Drachen zu fliegen. Es war ja schliesslich bereits Nachmittag und der Wind wehte angenehm aus Richtung Moschee.

 

Ich selber empfand es erstaunlich, wie bescheiden und ‘normal‘ sich der Sultan gegenüber seiner Bevölkerung verhielt. Für einen Monarchen sicherlich nicht der Standard. Möglicherweise deshalb hörte ich auch an keiner Stelle kritische Stimmen gegenüber dem Staatsoberhaupt.